Die Grube Frankenholz

 

1816 Es erfolgen erste Schürfarbeiten am Höcherberg durch ein Konsor­tium unter Leitung von Bergwerks­verwalter Konrad Weiß, Altenkirchen.
Bis in die 40er Jahre ziehen sich diese Schürf­arbeiten im Klemm­loch hin, ohne dass ein abbau­würdiges Flöz an­ge­troffen wird. Die be­antragte Konzes­sion wird nicht erteilt, wohl um der Staatsgrube Bexbach un­lieb­same Kon­kurrenz zu ersparen.
1844 Der Zweibrücker Advokat August Ferdinand Cullmann (1804-1891) beteiligt sich an der Bergwerks­ge­sellschaft und über­nimmt die Hälfte der Anteile. Er wird der eigent­liche Be­gründer der Grube Frankenholz.
1845 5. September: Die Königlich-Bayerische Regierung er­teilt die Konzession zum Betrieb eines Stein­kohlen­berg­werkes »am Franken­holz, Kanton Wald­mohr, Land­kommissariat Hom­burg« mit einem 550 ha großen Gru­ben­feld.
1873 Gründung des Franken­holzer Knappschafts­vereins mit ei­ge­ner Pen­sions- und Kran­ken­kasse.
1879/80 Mit der Abteufung von Schacht I beginnt die ei­gent­liche Geschichte der Stein­kohlen­grube Franken­holz.
1881 Nach Entdeckung des 90 cm mäch­tigen Flözes "Will­komm" wird über dem be­reits auf 184 m ab­geteuf­ten Schacht I ein Förder­gerüst instal­liert. Es werden mittels einer Zwil­lings­förder­maschine der Firma Ding­ler, Zwei­brücken erst­mals Kohlen auf Grube Franken­holz gefördert. Die Be­leg­schaft umfasst 29 Mann.
1882 Beginn der Niederbringung von Schacht II
In 300 m Tiefe wird hier ein Flöz von 2,70 m Mächtigkeit auf­geschlossen.
1884 Im August kommt es zu einem ersten großen Unfall in der Grube Franken­holz. Bei einer Schlag­wetter­ex­plo­sion kom­men 5 Berg­leute ums Leben. Die Menge des aus­tre­ten­den Gru­ben­gases ist in Fran­ken­holz be­son­ders groß und führt in der Folge auch zu zahl­reichen Unfällen.
1889 Die Arbeiter von Fran­ken­holz tre­ten als erste Berg­leute im Saar­revier in den Streik, um Lohn­erhöh­ungen und Ar­beits­zeit­verkür­zungen durch­zu­set­zen. Die täg­liche Schicht wird auf 11 Stun­den festgelegt, der Lohn um 15% erhöht.
1891 August Ferdinand Cullmann stirbt 87-jährig. Zu diesem Zeitpunkt arbeiten bereits 563 Bergleute auf Frankenholz. Die Jahres­förderung beträgt 82100 Tonnen.
1895/96 Von der Schachtanlage bis zum Mittel­bexbacher Bahn­hof wird eine Draht­seilbahn in Stahl­bauweise, die sogenannte »Luftbahn« errichtet, auf der die ge­förderte Kohle zum Bahnhof trans­portiert wird. Ein 1886 erbauter Vor­gänger mit hölzernen Stützen hatte sich nicht bewährt.
Sie hat eine Gesamtlänge von 3,8 km und fördert in 200 Wagen von je 2 Tonnen Tragfähigkeit. Diese "Luftbahn" war lange Zeit der längste Trans­portweg dieser Art in Europa und wurde das technische Wahr­zeichen der Hö­cher­berg­region.
Vom Bahnhof Bexbach aus wird die Kohle per Eisenbahn in die oft weit entfernten Absatzgebiete - Bayern, Baden-Würt­tem­berg, Elsass-Lothringen und die Schweiz - trans­portiert.
1896 Abteufung von Schacht III nahe Höchen zur Er­schlie­ßung des Franken­holzer Nordfeldes.
Der Knappschafts­verein nimmt sein Lazarett in Betrieb. Es dient bis 1976 als Kranken­haus und wird 1980 ab­gerissen.
1897 Im Dezember kommt es zum schwersten Gruben­unglück in Frankenholz: eine gewaltige Schlagwetter­explosion fordert 57 Menschenleben. Einrichtung einer Aufbereitungs­anlage am Bexbacher Bahnhof für das per Luftbahn angelieferte Material.
In der Kohlen­wäsche wurde am Klaubeband das taube Gestein ("Berge") aussortiert. In der Separation wurden über Schwungsiebe Stück-, Würfel-, Gries- und Feinkohle getrennt.
1900 Auf dem auf 610 m abgeteuften Schacht III wird erstmals in vieretagigen Förderkörben Kohle gefördert.
1903 Im Maschinengebäude von Schacht III wird eine »elektrische Zentrale« eingerichtet. Das 219 KW-Kraftwerk dient der Beleuchtung der Schacht­anlagen, zum Betrieb der Seilbahn, der Förderhaspeln und Schacht­pumpen und zur Wasserversorgung.
1905 Der Ort Frankenholz hat dank der Grube innerhalb von dreißig Jahren seine Bevölkerung vervielfacht: von 179 im Jahr 1875 auf 1744 im Jahr 1905.
1908 Man nutzt in Frankenholz die überaus starke Gru­ben­gas­entwicklung der Kohlenflöze, indem man diese "natür­li­chen Gas­speicher" anbohrt, zur Erd­oberfläche leitet und zum Beheizen der Kessel­an­lagen verwendet - damals noch ein­malig in Europa.
1910 Es werden drei Schlafhäuser gebaut für diejenigen Berg­leute, die längere Wegstrecken vom Heimat­ort zum Ar­beits­platz zurück­legen müs­sen. Sie bieten Unter­kunft für 450 Arbeiter.
Die Löhne in Frankenholz sind die niedrig­sten im ganzen Saar­revier. Ein Hauer verdient 4,43 Mark pro Schicht. Die Fluk­tuation der Ar­beiter war daher ganz erheb­lich.
1919/20 Die bisherige Privatgrube der Erben Cullmann wird von der französischen Besatzungsmacht verstaatlicht, aber an die bisherigen Eigentümer, nunmehr "Societé Anonyme des Mines de Frankenholz", mit einem Grubenfeld von etwa 1500 Hektar verpachtet.
1930 Die Grube Frankenholz erlebt den Zenit ihres wirtschaft­lichen Erfolges. Bei ei­ner Belegschaft von 2822 Mann werden 484.220 Tonnen Kohlen gefördert. Abgebaut werden 15 Flöze mit einer Gesamt­mächtigkeit von 22 Metern.
1935 Nach der Rückgliederung des Saargebietes geht die Grube in Staats­eigentum über und wird Teil der "Saargruben-AG".
1941 1. Januar: Zur Gewinnung maximaler Fördermengen in der Kriegswirtschaft werden die Sicherheits­bestim­mungen massiv vernachlässigt. Schließlich kommt es zur Kata­strophe: Bei ei­ner Schlag­wetter­explo­sion sterben 41 Berg­leute, 46 werden schwer ver­letzt. Die Grube bleibt bis 1946 geschlossen.
1947 Die wieder in Betrieb genommene Grube wird von der französischen Be­satzungs­macht der »Régie des Mines de la Sarre« unterstellt.
1954 Frankenholz wird an die neu errichtete Schacht­anlage Sankt Barbara, Bexbach angeschlossen und hört da­mit auf, als selbständige Grube zu bestehen. Die Kohle wird nun über den Schacht von Sankt Barbara zu Tage ge­fördert.
Die Drahtseilbahn und weitere, nun überflüssige, Tagesanlagen werden de­montiert.
1959 Auch Sankt Barbara wird nach nur 5-jähriger Betrieb­szeit trotz erbitterter Proteste der Beleg­schaft und der Bevöl­kerung still­gelegt. Das bedeutet - nach 80 Jahren - auch das endgültige Aus für Franken­holz. Es folgt die plan­mäßige Ver­füllung der Schächte und Demon­tage der Gruben­anlagen.
1960 Das Fördergerüst von Schacht III wird an die Grube Reden ver­kauft und dort am Schacht "Gegenort" mon­tiert, wo es bis heute erhalten ist.
Die Ära des Steinkohlen­bergbaus am Höcher­berg ist damit end­gültig zu Ende.